Gleichstellung von Geschlechtern

Besteht Chancengleichheit in unserer Gesellschaft?

 
Bild71 Chancerngleichheit Klass Kurs.png Jungen, unabhängig vom Migrationshintergrund und Alter, meinen öfters als die Mädchen, dass in unserer Gesellschaft Chancengleichheit  besteht.

Es gab die Überlegung, ob die Mitgliedschaft in einem Verein Meinungen der Befragten beeinflussen kann. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zum Gesamtergebnis festgestellt werden.



Dass Mädchen und Jungen nicht die gleichen Chancen haben, meinen immerhin 40% der Befragten - im Gymnasium sind es deutlich mehr als in den anderen Schulen.

In welchen Bereichen besteht keine Chancengleichheit

Ein knappes Drittel der SchülerInnen machte konkrete Angaben  zu den Bereichen in denen sie Benachteiligungen sehen. Teilweise wurden auch mehrere Bereiche genannt.
Mit 256 Nennungen (184 von Mädchen und 72 von Jungen) liegt Beruf weit an der Spitze. Summiert wurden hier Äußerungen wie: bei der Ausbildungsplatzsuche, bei der Jobsuche, beim Gehalt, schlechterer Verdienst, weniger Karriere-Chancen, in Führungspositionen. Auch Jungen schreiben ausdrücklich, dass Mädchen in der Berufswelt schlechtere Chancen haben.

Weitere Angaben zu Bereichen mit Ungleichheit:
Schule wird 36 mal genannt (dieser Bereich wird separat besprochen).
9 Mädchen und 27 Jungen sehen  hier teilweise Nachteile für eines oder beide Geschlechter: für Mädchen im Sportunterricht, in Mathematik und Technik, für Jungen in andern Fächern.

Außerdem (jeweils zwischen 10 und 20 Nennungen): Sport, Politik, Kirche, im Alltag, fast überall.

Glauben Jugendliche, dass Mädchen bzw. Jungen benachteiligt sind?

Von denjenigen, die nicht an eine schon verwirklichte Chancengleichheit glauben, sehen insgesamt 59 SchülerInnen Nachteile für Mädchen in der Schule - aber 252 denken, dass Jungen benachteiligt werden.

Bild72 Nachteil Jungen.pngEtwa ein Viertel der Befragten sehen Jungen in der Schule benachteiligt - auch Mädchen sind zum Teil dieser Meinung.









Bild73 Nachteil Mädchen.pngNachteile für Mädchen sehen demgegenüber nur wenige.

Vor allem Mädchen mit Migrationshintergrund sehen sich benachteiligt und zwar unabhängig vom Alter. Während in der Klassenstufe die Migrantenjungen diese Meinung noch teilen, geht das in der Kursstufe deutlich zurück.



In den Vereinen - der Löwenanteil der Vereinsmitgliedschaften entfällt auf die Sportvereine - werden nach Ansicht vieler Jugendlichen vor allem Mädchen benachteiligt. Ähnlich in den Bereichen Familie und Clique.
Auf die Frage "wo noch?" wurde häufig das Berufsumfeld nochmals betont. Außerdem wurde mehrmals explizit geschrieben: Mädchen werden in muslimischen Familien benachteiligt.


Mädchen und Jungen

Gründe für unterschiedliche Verhaltensmuster der Geschlechter

In der Klassenstufe  / Kursstufe begründen 474 / 235 Jugendliche das unterschiedliche Verhalten von Jungen und Mädchen mit dem Geschlecht, 283 / 202 mit unterschiedlicher Erziehung und 113 / 63 mit anderen Ursachen. Teilweise wurden  hier mehrere Antworten angekreuzt.

Was ist typisch Mädchen - was ist typisch Junge

Nicht alle Befragten haben diese Frage beantwortet.

Es gab Kommentare wie: "diese Klischees sind überholt", "so ein Blödsinn", "nichts ist typisch", “jeder ist ein Individuum". Die Jugendlichen gaben aber auch sehr viele, teilweise überraschend reflektierte Beschreibungen des eigenen und des anderen Geschlechts.

Nach grober Sortierung und Zusammenfassung von über 3000 genannten Eigenschaften bzw. Schlagwörtern ergab sich folgendes Bild:

Als  typisch weiblich bezeichneten Mädchen am häufigsten: auf das Aussehen achten (schminken, stylen etc.). An zweiter Stelle steht shoppen, gefolgt von rumzicken und viel reden/lange telefonieren.
Jungs sehen diese Eigenschaften bei Mädchen genau so, zicken wechselt lediglich den Platz mit shoppen und steht an 2. Stelle. 

Für typisch männlich halten Jungs: das Interesse an Fußball, das Zocken (gemeint sind PC-Spiele und Spielkonsolen), sportlich sein und cool sein.
Mädchen sehen ebenfalls das Fußball-Interesse als typisch männlich an. Am zweithäufigsten wird cool genannt, allerdings schreiben viele Mädchen nicht Jungs sind cool sondern Jungs wollen cool sein. Häufiger als "zocken" wird von Mädchen Aggressivität bzw. schlägern, körperliches Durchsetzten als typisch männlich genannt. Auch saufen zählt zu den  häufigeren Nennungen.

Des Weiteren bezeichnen beide Geschlechter Mädchen häufig als pünktlich, ordentlich, einfühlsam, fleißig, sensibel, hilfsbereit, höflich, angepasst, strebsam und eher selten als hinterfotzig, schreckhaft, launisch, dämlich, rechthaberisch etc.
Jungen bezeichnen sich häufig selbst (und werden auch von Mädchen so bezeichnet) als: faul, unordentlich, frech, großkotzig, angeberisch, sexgeil, undiszipliniert, kindisch, pervers, aber auch als: stark, klug, rational, technisch begabt, unkompliziert u.a.
Beide Geschlechter sagen, Jungs können schwer Gefühle zeigen, sie sind unreifer als Mädchen.

Es fällt auf, dass Jungen sich selbst viele  Eigenschaften zuschreiben, die von Eltern und Lehrern wohl eher als negativ angesehen werden. Wenn man die Jungs fragt, ist es allerdings erstrebenswert, angeberisch, faul, frech und undiszipliniert zu sein. 

Banalitäten wie rosa / blau, Rock / Hose, lange Haare / kurze Haare, Muschi / Penis usw. wurden nicht analysiert.

Chancengleichheit in der Praxis

Ist Geschlecht wichtig für die Zukunft?

Bild74 Geschklecht wichtig.pngIn der Klassenstufe sieht knapp die Hälfte der Befragten das Geschlecht als wichtig für ihre Zukunft an. Vor allem sind davon die Migrantinnen und Migranten überzeugt.

Diese Meinung ist in der Kursstufe nicht mehr so stark vertreten, bis auf die Migrantinnen.

Determiniert das Geschlecht unsere Zukunft? Wenn ja, inwieweit? Unterschiede in der Wahrnehmung sind nicht nur alters- und geschlechtsbedingt, sondern auch kulturell, was sich teilweise in den Textantworten spiegelt.

Ist Hausmann vorstellbar?

Bild75 Hausmann.pngHier wird die Bereitschaft zum Tausch der traditionell verstandenen Rollen (Haushaltversorgen und Sicherung des Familieneinkommens) untersucht.

Es fällt auf, dass Mädchen, unabhängig vom Migrationshintergrund, sich wesentlich eher mit der Position der Familienernährerin anfreunden können, als Jungen mit den Pflichten eines Hausmanns.

In der Kursstufe nimmt die Vorstellungskraft diesbezüglich bei den Mädchen etwas ab, dafür wächst die Bereitschaft der Jungen sich als Hausmann zu betätigen, so dass sich in dieser Altersgruppe unabhängig vom Migrationshintergrund jeder zweiter dazu bereit erklärt.

Einige Jungen haben zwar angekreuzt: "Hausmann vorstellbar", aber Kommentare eingefügt wie: "ich werde eine eigene Firma haben, da kann meine Frau mitarbeiten" oder: "ich helfe meiner Frau im Haushalt - sie kann dann auch arbeiten". Auch, wenn manche Jungen es vielleicht nicht ganz richtig verstanden haben, so sind es deutlich mehr, als es noch in vorigen Generationen waren. Davon zeugt auch der mehrfache Vorschlag von Jungen und Mädchen: "beide sollen arbeiten". 

Auch hier, wie schon vorher bei der Chancengleichheit, beeinflusst die Mitgliedschaft in einem Verein die Aussagen kaum. Es scheint bei den Gleichstellungsfragen wenig Bedeutung zu haben, ob die Jugendlichen vereinsaktiv sind.

Ist Chancengleichheit gegeben und Hausmann vorstellbar?

Bild76 Chancengleichheit und Hausmann.pngWenn man die Ergebnisse zur Chancengleichheit mit denen zur Bereitschaft zum Rollentausch vergleicht, wird klar, wie sehr sich die Wahrnehmung je nach Geschlecht verändert. Während noch zwei Drittel der Jungen meinen, dass Chancengleichheit gegeben ist, wäre weniger als jeder Zweite bereit, sich um Haushalt zu kümmern. Die Mädchen sind bei der Chancengleichheit vorsichtiger - nur jede Zweite glaubt daran - dafür sind zwei Drittel interessiert, den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen und dem Partner den Haushalt zu überlassen. Migrantinnen sind skeptischer - nur jede Zweite wäre an einem Rollentausch interessiert.

Unter diesen Umständen kann man (noch) schlecht von einer echten Chancengleichheit oder Gleichstellung reden.