Beruf

Ansehen und Gehalt am Beispiel von vier Berufsgruppen

Bild77 Ansehen Gehalt Berufe.pngDie Einschätzungen der unterschiedlichen Berufsgruppen sind eindeutig:
IngenieurInnen genießen das höchste Ansehen und ihre Gehälter werden als die höchsten eingeschätzt. Das Ansehen der übrigen Gruppen ist deutlich niedriger. Was bemerkenswert ist - bei sozialen Berufen ist das Ansehen deutlich höher als die Gehaltschancen - die Jugendlichen sehen soziale Berufe als wichtig und unterbezahlt an.

Die Auswahl der Berufsgruppen ist der Übersichtlichkeit halber sehr eingeschränkt - das Interesse galt hier der Einschätzung der Jugendlichen, nicht der tatsächlichen Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Bei dem ausgewählten Diagramm waren die Unterschiede am stärksten ausgeprägt. Es scheint den deutschen Mädchen bewusst zu sein, dass gerade bei den sozialen Berufen die Vergütung dem Ansehen nicht gerecht wird. D.h. meistens wissen sie bei ihrer Berufswahl, dass sie in sozialen Berufen weniger verdienen werden, als in MINT-Berufen.

Gewisse weitere Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen (Jungen - Mädchen, Deutsche - Migranten) sind zwar vorhanden, jedoch nicht so deutlich wie die genannten Tendenzen. Diese Unterschiede wurden nicht weiter analysiert.

Traumberufe bzw. spätere Wunschberufe

53% aller Befragten haben klare Vorstellungen zu ihrer beruflichen Zukunft. 63 % sind überzeugt, ihren Wunsch-Beruf später einmal ausüben zu können.

Nur 15 Jugendliche von Allen glauben nicht daran, ihren Traumberuf einmal ausüben zu können:
Am Gymnasium sind dies drei Schüler (Anwalt, Pilot, Lehrstuhlinhaber für technische Kybernetik) und drei Schülerinnen (alle  wären gerne Schauspielerin, zwei davon nennen realistischerweise gleich einen zweiten Berufswunsch: Lehrerin, Kinderkrankenschwester).
Drei Realschüler (Pilot, zwei Profi-Fußballer) und zwei Realschülerinnen (Tierärztin, Schauspielerin).
Drei Werkrealschüler (Testfahrer, Firmenleiter bei Mercedes, Fußballer) und eine Werkrealschülerin (Versicherungskauffrau). 

Die Berufswünsche sind teilweise vage ("beim Daimler schaffen", "irgendwas mit Autos"), teilweise sehr konkret ("Lehrstuhl-Inhaber für technische Kybernetik", Groß- und Außenhandelskauffrau bei Emil Löffelhard).Sie reichen von der Landwirtin bis zur Opernsängerin, vom Pfarrer über den Snowboard-Lehrer bis zum Geschäftsführer eines Rüstungsunternehmens. Auch Kuriositäten sind dabei: "Harz IV", "Milliardär" , "FBI-Agent" und "Pornograph".

Der Prozentsatz der konkreten und realistischen Berufswünsche war bei den WerkrealschülerInnen, die ja dem Eintritt ins Berufsleben in Kürze entgegen sehen, am höchsten (58%). RealschülerInnen wissen zu 52% was sie werden wollen und GymnasiastInnen der Klassenstufe zu 44%. In der Kursstufe der Gymnasien sind es nur noch 40% der Befragten, die ein klares Ziel nennen. Verständlicherweise wissen 62% der an der Schule für Grafik/Design und am popcollege Befragten, was sie werden wollen und sehen ganz überwiegend einer beruflichen Zukunft in ihrem Ausbildungsgang entgegen. 

Die bekannten Umfragen bestätigen sich auch für Fellbach: Mädchen bevorzugen kreative und soziale Berufe während die Jungen eher technische Berufe wählen.

Nachdenken könnte man über die Gewichtung der erforderlichen Qualifikationen. Manche der Jungen, die sich selbst als faul, undiszipliniert usw. bezeichnet haben, sehen sich später als Lehrstuhl-Inhaber, Werkleiter, Abteilungsleiter, Geschäftsführer und Bürgermeister. Sie streben also eine Führungsposition an.

Dies scheint bei den Mädchen nicht der Fall zu sein. Diese haben zwar durchaus anspruchsvolle Berufsziele: z.B. wollen viele Ärztin oder Juristin werden -  aber nur eine Managerin. Unter den weiblichen Wünschen kommt kein einziges Mal die Formulierung:  -führerin, -leiterin, -inhaberin vor.

Sind Frauen in Führungspositionen seltener vertreten, weil sie diese gar nicht anstreben, oder sind sie einfach so realistisch, sich nur erreichbare Ziele zu stecken? Streben Mädchen keine Führungspositionen an, weil sie nicht so erzogen werden, oder sind die "höflichen", "angepassten", "harmoniebedürftigen" Mädchen auf der Karriereleiter im Nachteil gegenüber den "arroganten", "überheblichen", "ellbogenbetonten" Jungen?